SPD Geschichte Hochspeyer
100+3 Jahre SPD Ortsverein „Willy Brandt“ Hochspeyer
Ein Beitrag von Erwin Mayer, vorgetragen anlässlich des Festaktes im Oktober 2008, hier in verkürzter Fassung.
Der Sozialdemokratische Ortsverein Hochspeyer besteht seit nunmehr 103 Jahren. Dieses runde und stolze Jubiläum feiern wir Sozialdemo-kraten mit Hochachtung vor den Gründern und Altvorderen, die in den ersten 45 Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre politische Überzeugung unter schwierigsten Bedingungen-, auch in unserer Gemeinde in das gesellschaftliche Umfeld einbrachten.
Aber ich hatte Erfolg:
In der Auflage vom 04.Oktober 1905 elektrisierte mich die überraschend auftauchende Überschrift: „Die Gründung eines Sozialdemokratischen Vereins wurde am Sonntag in Hochspeyer vollzogen, nachdem seither schon eine Anzahl Parteigenossen der Organisation in Kaiserslautern angehörten. „Lange hat es gedauert bis wir dort, obwohl lauter Arbeiterbevölkerung und wir auch bei den Wahlen ganz gute Resultate erzielten, mit der politischen Organisation Eingang fin-den konnten. Nun ist Bresche geschossen...? (Bresche = feindliche Mauer durchbrechen – ins feindliche Lager eindringen – Widerstand überwinden) ...und es steht zu hoffen, dass sich der neue Verein gut entwickelt. Hochspeyer ist für uns eines der aussichtsreichen Orte im 6. Wahlkreis. Möge sich die Arbeiterschaft, soweit noch nicht geschehen, dem Verein anschließen, damit sie kräftige Glieder in der Kette der Arbeiterbewegung gegen die Unterdrückung und Ausbeutung werden. Die Versammlungen finden jeden letzten Sonntag im Monat, vormittags 10,30 Uhr im Lokal Peter Köhler statt.“ Soweit die Mitteilung der „Pfälzischen Post“ über die Gründung des sozialdemokratischen Ortsvereins Hochspeyer.
Und dieser Sonntag war der 01.Okt.1905.
Lange hatte ich nach einem 1. Vorsitzenden gesucht, hatte aber keinen Erfolg, bis mir Franz Neumer, der nach langen Recherchen ihn und auch noch weitere Vorsitzende bis zum Jahr des Verbotes, also 1933 ausfindig machen konnte. Danach war in der Gründungsversammlung Philipp Jakob Sauter am 21.10.1875 in Hochspeyer geb. zum 1. Vorsitzenden gewählt worden.Meine Damen und Herren, Genossinnen und Genossen: Warum aber wurde erst 1905 der sozialdemokratische Verein gegründet?, obwohl, wie schon gesagt , eine Anzahl Hochspeyerer der Organisation in Kaiserslautern bereits vorher schon angehörten.Man muss zum besseren Verständnis ein wenig auf die damalige Organisation der SPD schauen:
Beide Versammlungen waren gut besucht, besonders die in Hochspeyer. Dort war der Versammlungsraum überfüllt. Es waren auch zahlreiche Frauen anwesend. In der Diskussion wurde auf die gewerkschaftlichen Organisationen hingewiesen. Gegner beteiligten sich nicht daran, obwohl etliche anwesend waren.“ Auch im Jahr 1906 blieb Philipp Jakob Sauter 1. Vorsitzender.
In der Ausgabe vom 30. Oktober war folgendes zu lesen:
“Die am Sonntag stattgefundene Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Hochspeyer hätte sich eines besseren Besuchs erfreuen dürfen. Immerhin war der Verlauf ein guter zu nennen und hat gezeigt, dass die Genossen auch in dem Reich Ottmanns und Konsorten bestrebt sind, unsere Ideen immer mehr Eingang zu schaffen. Die Wahl der Vorstandschaft ergab nur geringe Verschiebungen. 1. Vorsitzender blieb Philipp Jakob Sauter. Das Gleiche war zu der Generalversammlung vom Sonntag, dem 01. November 1908 zu lesen: „Vorstand wieder gewählt“, d.h., dass Philipp Jakob Sauter wieder 1 Vorsitzender wurde.Meine Damen und Herren, Genossinnen und Genossen!Lassen Sie mich an dieser Stelle Sie noch einmal zurückversetzen in die Zeit vor der Mitte des 19. Jahrhunderts, die eine wesentliche Veränderung der dörflichen Sozialstruktur in Hochspeyer hervorrief. Hierzu möchte ich auf einen Beitrag im Heimatbuch des Landkreises Kaiserslautern von 1998 von Franz Neumer verweisen:
Sechs Parteien beherrschten die ersten Jahre der Weimarer Zeit:
- Die Sozialdemokraten, zuerst als Mehrheitssozialisten und USPD,
- die Deutsche Volkspartei (DVP),
- die Deutsche Demokratische Partei (DDP),
- das Zentrum, die Bayerische Volkspartei (BVP) und
- ab 1924 die Kommunisten.
Das Wahlergebnis vom 19.01.1919 brachte den Hochspeyerer Sozialdemokraten stolze 49,9 %.

Um es vorweg zu nehmen, ein Ergebnis, das nie wieder erreicht werden sollte. Weder bei Reichstagswahlen noch bei Langtags oder Kommunalwahlen. Das Ergebnis der Gemeinderatswahlen vom 16.04.1920 zeigt die Stärke der einzelnen Gruppierungen. Die Sozialisten erhielten 481 Stimmen und damit 9 von insgesamt 20 Sitzen im Gemeinderat. DVP, DDP und Zentrum, die sich zur Listenverbindung „Vereinigte Parteien“ zusammengeschlossen hatten, erhielten 522 Stimmen – ebenfalls 9 Sitze. Für die Parteilosen, die unter dem Namen „Volkswille“ angetreten waren, entschieden sich 131 Wähler, das waren 2 Sitze. Bei der Bürgermeisterwahl 1920 errang Daniel Häberle von der DDP 714 Stimmen Für Peter Bundenthal, dem Kandidaten der sozialistischen Parteien stimmten 606 und auf den Kandidaten der Parteilosen fielen 143 Stimmen. Da keiner die absolute Mehrheit erreicht hatte, wählte der Gesamtgemeinderat von Hochspeyer, Fischbach und Waldleinigen Daniel Häberle zum 1. Bürgermeister, Peter Bundenthal SPD wurde 2. Bürgermeister und Karl Bleh vom Zentrum wurde 3. Bürgermeister.
Am 10.10.1923 wurde Heinrich Fischer von der SPD zum 2. Bürgermeister gewählt. Als 2. Bürgermeister machte er die Belagerung des Bürgermeisteramts durch die Separatisten, die unterstützt durch Marokkanische Besatzungsgruppen die Schlüsselübergabe erzwungen hatten, mit. Ein halbes Jahr später, am 06.04.1924, wurde er zum 1. Bürgermeister und war damit der erste sozialdemokratische Bürgermeister von Hochspeyer, Fischbach und Waldleinigen.Heinrich Fischer, wurde in Hochspeyer am 06.09.1894 geboren, er war von Beruf Lehrer. 1923 trat er in die SPD ein.Unter Heinrich Fischer wurde viel getan, um die Wohnungsnot zu lindern. Aber erst am 26.06.1931 konnten die Wohnungsmangelbestimmungen außer Kraft gesetzt werden. Auch viele Arbeitslose brauchten Unterstützung durch die Gemeinde.
In der Chronologie folgte auf den ersten Vorsitzenden
- Philipp Jakob Sauter 1905-1909
- Karl Britzius 1909-1921
- Georg Braun 1921-1922,
- Karl Britzius 1922-1928
- Jakob Degiuli 1928-1929,
- Jakob Scherer 1929-1931,
- nochmals Georg Braun bis 1932.
- Fritz Ecker 1933 bis zum Verbot der SPD.
Dann folgte die nationalsozialistische Diktatur, die mit dem schrecklichen 2. Weltkrieg und dem totalen Untergang des Deutschen Reiches endete. Am 01.01.1946 erlaubte die Französische Militärregierung die Zulassung von politischen Parteien am 16.Februar 1946 wurde die SPD in Hochspeyer wieder gegründet. 1. Vorsitzender wurde Friedrich Vögeli. Eine Kundgebung der SPD fand am 06.04.1946 in Hochspeyer, 20.00 Uhr statt. Gastredner war damals Adolf Ludwig, der frühere Landtagsabgeordnete und Bürgermeister von Pirmasens, der nach 12 Jahren Emigration zurückgekehrt war. Im ersten Weltkrieg war Adolf Ludwig Feldwebel, wie das Bild zeigt. Erster Sozialdemokratischer NachkriegsBürgermeister in Hochspeyer war der durch die Französische Militärregeierung eingesetzte Georg Braun vom 25.06.1945 – 14.111948. Heinrich Fischer wurde am 14.11.1948 erneut zum Bürgermeister von Hochspeyer, Fischbach und Waldleinigen gewählt. Dieses Amt hatte er bis zum 30.09.1966 inne. Ihm folgte Waldemar Degiuli vom 1966 bis ins Jahr 1989. Danach bekleidete dieses Amt als der –vorerst letzte SPDBürgermeister Peter Niederberger, von 1989 1999.
Abschließend bleibt mir der Vollständigkeit halber zu nennen die 1. Vorsitzenden der Nachkriegszeit bis heute:
- Friedrich Vögeli von 1946-1952,
- Jakob Scherer von 1953-1961,
- Willi Niederberger von 1961-1989,
- Hans-Norbert Anspach von 1989-1995,
- Wolfgang Peltz von 1995-2001,
- Bernd Bauer 2001-2006
- Horst Gooß 2006-2008
- und seit 2008 lenkt Otmar Klein die Geschicke des Vereins.
Bei all dieser bewegten und beeindruckenden Geschichte der SPD und auch dieses traditionsreichen Ortsvereins sollte es Ansporn (der Partei) sein, das Amt des Bürgermeisters auch in (möglichst nahe)r Zukunft wieder verantwortungsvoll auszuüben! Bleiben wir guten Mutes, wir sind der Tradition, der Geschichte und unseren Altvorderen verpflichtet!

